Was bedeutet kraftschlüssige Ladungssicherung?
Die kraftschlüssige Ladungssicherung beschreibt die Sicherung von Gütern durch Reibung zwischen Ladegut und Ladefläche.
Bei der kraftschlüssigen Ladungssicherung wird die Ladung mithilfe von Zurrgurten zur Ladungssicherung oder anderen Zurrmitteln auf die Ladefläche gedrückt. Dadurch entsteht eine Reibkraft, die verhindert, dass sich die Ladung bei Bremsmanövern, Kurvenfahrten oder Beschleunigungen bewegt.
Dieses Verfahren wird vor allem im LKW-Transport, bei Anhängern und bei der Ladungssicherung im Container eingesetzt. Entscheidend ist dabei die richtige Kombination aus Reibung, Gewicht der Ladung und Vorspannkraft der eingesetzten Zurrmittel.
Inhalt:
- Was ist kraftschlüssige Ladungssicherung?
- Wie funktioniert die kraftschlüssige Ladungssicherung im LKW?
- Praxisbeispiele für die kraftschlüssige Ladungssicherung
- Unterschied Formschluss und Kraftschluss
- Typische Fehler bei der Ladungssicherung
- Vorschriften und Normen
- CORFEX® als Alternative
- Fazit
- FAQ zur kraftschlüssigen Ladungssicherung
Wie funktioniert die kraftschlüssige Ladungssicherung?
Die kraftschlüssige Ladungssicherung funktioniert durch das Zusammenspiel von Vorspannkraft, Reibung und Zurrwinkel.
Um das Prinzip zu verstehen, lohnt sich ein Blick auf die Praxis:
Beim Niederzurren wird die Ladung mit Spanngurten zur Ladungssicherung nach unten gedrückt. Dadurch erhöht sich die Anpresskraft auf die Ladefläche – und damit auch die Reibung.
Diese Reibung wirkt den Kräften entgegen, die während der Fahrt entstehen, etwa bei Bremsungen oder Kurvenfahrten.
Die Wirksamkeit der Ladungssicherung kraftschlüssig hängt dabei von mehreren Faktoren ab:
- Vorspannkraft (STF) der Zurrgurte
- Reibbeiwert (µ) zwischen Ladung und Ladefläche
- Gewicht und Schwerpunkt der Ladung
- Zurrwinkel
- Zustand der Ladefläche
Je besser diese Faktoren zusammenspielen, desto effizienter ist die Sicherung.

Wirkungsprinzipien beim Kraftschluss
Kraftschluss entsteht durch physikalische Kräfte, die gezielt genutzt werden.
Die Grundlage bildet eine einfache Beziehung: Reibkraft = Normalkraft × Reibbeiwert
Das bedeutet konkret: Je stärker die Ladung durch Zurrgurte zur Ladungssicherung auf die Ladefläche gedrückt wird, desto höher ist die entstehende Reibkraft.
Ein entscheidender Faktor ist dabei der Zurrwinkel:
- flacher Winkel → geringere Anpresskraft
- steiler Winkel → höhere Anpresskraft
Auch die Oberfläche spielt eine große Rolle. Saubere, trockene Ladeflächen bieten deutlich bessere Bedingungen als verschmutzte oder feuchte Untergründe.
Der Reibbeiwert (µ) – entscheidender Faktor
Der Reibbeiwert bestimmt, wie effektiv eine kraftschlüssige Ladungssicherung tatsächlich ist.
In der Praxis ergeben sich typische Werte:
- Holz auf Holz: µ ≈ 0,2
- Metall auf Holz: µ ≈ 0,1-0,2
- mit Antirutschmatten: µ ≈ 0,6
Der Unterschied ist erheblich.
Mit Antirutschmatten lässt sich die erforderliche Anzahl an Zurrgurten zur Ladungssicherung deutlich reduzieren. Gleichzeitig steigt die Sicherheit der gesamten Verladung.
Praxisbeispiele für die kraftschlüssige Ladungssicherung
So zeigt sich die kraftschlüssige Ladungssicherung im realen Einsatz.
- Palette im LKW
Eine Palette mit 1.000 kg steht auf Antirutschmatten. Zwei korrekt gespannte Spanngurte zur Ladungssicherung erzeugen ausreichend Reibung, um die Ladung stabil zu halten. - Maschinenladung
Bei schweren Maschinen wird die Sicherung oft kombiniert. Neben dem Kraftschluss sorgen zusätzliche Zurrpunkte für Stabilität. - Containerladung
Bei der Ladungssicherung im Container kommt Kraftschluss häufig dann zum Einsatz, wenn kein vollständiger Formschluss möglich ist. - Fassware und IBC
Fässer und IBC-Container werden durch Niederzurren stabilisiert. Ohne ausreichende Reibung besteht hier ein erhöhtes Kipp- und Rutschrisiko.
Diese Beispiele verdeutlichen, wie stark die kraftschlüssige Ladungssicherung von der jeweiligen Situation abhängt.
Arten der kraftschlüssigen Ladungssicherung
Niederzurren
Beim Niederzurren wird die Ladung durch Spanngurte nach unten gedrückt und so die Reibung erhöht. Diese Methode ist die am häufigsten eingesetzte Form der kraftschlüssigen Ladungssicherung im LKW und lässt sich flexibel anwenden.
Direktzurren
Beim Direktzurren werden Kräfte direkt über Zurrgurte oder Ketten in die Zurrpunkte eingeleitet. Diese Methode wird vor allem bei schweren oder großen Ladungseinheiten eingesetzt.
Kraftschluss vs. Formschluss
Kraftschluss nutzt Reibung, Formschluss verhindert Bewegung durch Blockierung. Beide Prinzipien verfolgen dasselbe Ziel, arbeiten jedoch unterschiedlich:
Kraftschluss:
- basiert auf Reibung
- Einsatz von Zurrgurten
- flexibel einsetzbar
Formschluss:
- basiert auf lückenloser Verladung
- Nutzung von Bord- und Stirnwänden
- verhindert jede Bewegung
In der Praxis werden fast immer beide Methoden kombiniert, um eine sichere Ladungssicherung kraftschlüssig und formschlüssig umzusetzen.
Formschlüssige Ladungssicherung

Typische Fehler bei der kraftschlüssigen Ladungssicherung
Fehler entstehen oft durch falsche Annahmen oder ungenaue Ausführung.
Zu den häufigsten Problemen zählen:
- falscher oder zu flacher Zurrwinkel
- verschmutzte oder nasse Ladeflächen
- falsche Einschätzung des Reibbeiwerts
- zu geringe Vorspannkraft
- beschädigte Zurrgurte
- fehlende Antirutschmatten
Solche Fehler reduzieren die Wirksamkeit der Ladungssicherung im LKW erheblich und erhöhen das Risiko von Transportschäden.
Wann reicht kraftschlüssige Ladungssicherung aus?
Kraftschluss allein reicht nur bei geeigneten Bedingungen aus. Geeignet ist die kraftschlüssige Ladungssicherung, wenn:
- ausreichend Reibung vorhanden ist
- die Ladung druckstabil ist
- genügend Vorspannkraft erzeugt wird
- keine großen Ladelücken vorhanden sind
In vielen Fällen ist jedoch eine Kombination mit formschlüssiger Sicherung notwendig.

Regeln und Vorschriften zur kraftschlüssigen Ladungssicherung
Die kraftschlüssige Ladungssicherung ist durch zahlreiche Vorschriften geregelt:
- DIN EN 12195-1 (Berechnung der Zurrkräfte)
- DIN EN 12195-2 (Zurrgurte)
- VDI 2700 (Ladungssicherung auf Straßenfahrzeugen)
- § 22 StVO (gesetzliche Pflicht zur Sicherung)
- CTU-Code (Containerverladung international)
Diese Regelwerke definieren den Stand der Technik und sind verbindlich für eine sichere Anwendung.
CORFEX® als Ergänzung zur kraftschlüssigen Ladungssicherung
Formschlüssige Systeme sollen die kraftschlüssige Ladungssicherung sinnvoll ergänzen oder ersetzen. Das CORFEX® Containerstausystem bietet eine wirtschaftliche Alternative, insbesondere bei der Ladungssicherung im Container. Statt ausschließlich auf Reibung zu setzen, ermöglicht das System eine formschlüssige Abtrennung der Ladung. Dadurch können:
- Ladelücken vermieden
- Zurrgurte reduziert
- Transportschäden minimiert werden
Fazit
Die kraftschlüssige Ladungssicherung ist eine effektive Methode, wenn Reibung, Vorspannkraft und Anwendung korrekt aufeinander abgestimmt sind. In der Praxis zeigt sich jedoch: Erst die Kombination aus Kraftschluss und Formschluss führt zu einer dauerhaft sicheren und wirtschaftlichen Lösung.
Quellen und Regelwerke
Die Grundlagen der kraftschlüssigen Ladungssicherung basieren auf anerkannten technischen und gesetzlichen Regelwerken:
- VDI 2700 – Ladungssicherung auf Straßenfahrzeugen
https://www.vdi.de/richtlinien/details/vdi-2700-ladungssicherung-auf-strassenfahrzeugen - DIN EN 12195-1 – Berechnung der Zurrkräfte
https://www.dinmedia.de/en/standard/din-en-12195-1/330604735 - § 22 StVO – Ladungssicherung
https://www.gesetze-im-internet.de/stvo_2013/__22.html - CTU-Code – Containerladung
https://unece.org/transport/documents/standards/ctu-code
